Sexarbeit ist verdammt nochmal Arbeit!

Sexarbeit in Zeiten von Corona

Seit Mitte März muss eine Vielzahl an Geschäften und öffentlichen Einrichtungen geschlossen bleiben. Darunter fallen nicht nur Museen, Bars und Restaurants, sondern auch Bordelle. Prostitution wird vorübergehend grundsätzlich verboten.

Für Sexarbeiter*innen bringt dieses Verbot eine massive Existenzbedrohung mit sich. Sie haben keine Einkommensquelle mehr, viele sind wohnungslos und müssen bei Freund*innen, Kolleg*innen oder Freiern unterkommen, im schlimmsten Fall landen sie auf der Straße. Mittlerweile sind einige Bordelle wieder geöffnet, um den Sexarbeiter*innen dort eine Unterkunft zu bieten.

Miete, Essen, Hygieneartikel und Sonstiges können sich die meisten nicht mehr leisten. Viele von ihnen kommen nicht aus Deutschland und können aufgrund der Grenzschließungen nicht zu ihren Familien nach Hause fahren.

Die breite Öffentlichkeit und der Staat schauen wieder mal weg.

Von den Einschränken sind vor allem illegalisierte Menschen betroffen, die keinen Anspruch auf staatliche finanzielle Unterstützung und keine Krankenversicherung haben. Sie werden mit ihrem Schicksal alleine gelassen. Den meisten bleibt nichts anderes übrig, als illegal auf der Straße zu arbeiten, um an Geld zu kommen. Sie sind auf sich alleine gestellt und setzen sich einem hohen gesundheitlichem Risiko aus.

Hilfsorganisationen, die gegen Zwangsprostitution sind und denen angeblich soviel am Wohlergehen der Sexarbeiter*innen liegt, sind auf einmal still geworden.

Politische Maßnahmen werden nicht ergriffen, im Gegenteil. Vor einigen Wochen twittert Leni Breymaier (SPD): „Stuttgart verbietet Prostitution wegen Corona. Geht doch. Man(n) kann ja schon mal üben“. Solche Aussagen und der nicht vorhandene politische Umgang mit der Situation sind nichts als widerlich und sie machen erneut deutlich, in was für einem beschissenen Staat wir leben.

Sich vor dem Virus zu schützen, indem man sich freiwillig isoliert, ist ein Privileg. Die Menschen, die unprivilegiert sind, können sich faktisch nicht an viele der vom Staat auferlegten Einschränkungen halten. Sie haben keine Wohnung, in der sie sich isolieren könnten und sie haben keine Möglichkeit dazu, durch Homeoffice weiterhin Geld zu verdienen. Sie sind oft dazu gezwungen, sich den Maßnahmen zu widersetzen, weil sich der Staat lieber um die Etablierung wirtschaftlicher Rettungsschirme für deutsche Firmen kümmert. Trotzdem sind sie nicht weniger von den Sanktionen bei Nichteinhalten der Regeln getroffen.

Die Regierung verliert immer mehr an Glaubwürdigkeit, mitunter durch groteske Aussagen wie die von Peter Altmeier: „Wir lassen niemanden allein.“

Wir müssen also unbürokratische Lösungen finden, um uns mit den Menschen, die die Krise am härtesten trifft, zu solidarisieren und ihnen zu helfen.

Informiert euch und andere, macht auf die beschissene Situation von Sexarbeiter*innen aufmerksam, zeigt euch solidarisch und helft, wo ihr könnt!

Regelmäßige Infos bekommt ihr unter anderem hier:

Spendenkonto für Sexarbeitende, die keine staatliche finanzielle Unterstützung erhalten:

Bei diesem Text handelt es sich um eine gekürzte Version. Wer Lust hat, sich ausführlicher mit der Thematik auseinander zu setzen, kann sich gerne hier informieren: https://knitandagitate.noblogs.org/post/2020/05/02/sexarbeit-ist-verdammt-nochmal-arbeit/